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Ratgeber für Angehörige von Aphasikern

Der Landesverband der Aphasiker NRW e.V. hat eine kleine Broschüre (Format Lang-DIN, 12 Seiten) für Angehörige von Aphasikern veröffentlicht. Die Autoren des Heftes, Christiane Mais (Logopädin und Geschäftsführerin des Aphasiker-Zentrums NRW) und Dr. phil. Volker Runge (klinischer Linguist und Leiter des Aphasie-Regionalzentrums Ostwestfalen-Lippe), besitzen langjährige Erfahrung in der Betreuung und Beratung von Aphasikern und ihren Angehörigen.

Um gezielt auf die konkreten Sorgen und Bedürfnisse der Angehörigen eingehen zu können, wurden spezielle Fragebögen an 100 Angehörige, die Mitglied im Landesverband sind, verschickt (mit frankiertem Rückumschlag). Etwa 80 Fragebögen wurden ausgefüllt zurück gesandt und konnten für den Ratgeber ausgewertet werden. Dem Heft vorangestellt ist ein Zitat eines Betroffenen, das einem der Fragebögen entnommen wurde: “Ich wusste nichts über Aphasie – Ich war erschrocken und fühlte mich hilflos.” Dies zu ändern, ist das Ziel der Broschüre.

Der Ratgeber ist klar gegliedert und “begleitet” die Angehörigen von dem die Aphasie auslösenden Ereignis (meistens ein Schlaganfall) durch die Akutphase (Kapitel “Das Krankenhaus”), die Rehamaßnahme (“Fragen zur Rehabilitation”) und im Alltag (“Das häusliche Umfeld – Der Alltag mit Aphasie”), wobei diesem letzten Kapitel der meiste Raum gewidmet ist. Immer wieder wird das emotionale Erleben der Angehörigen in diesen einzelnen Phasen aufgegriffen (“Ich hatte einen Gegner, den ich nicht einschätzen konnte.”). Diesen Gefühlen wird eine realistische Einschätzung des Krankheitsverlaufs entgegen gesetzt. Im Falle der Aphasie heißt das vor allem, keine pauschalen Aussagen zu akzeptieren, weder “Alles wird gut” noch “Das wird nichts mehr”. Realitätsnahe Tipps und Ratschläge helfen darüber hinaus, auf Probleme, die im Alltag eintreten können, angemessen zu reagieren. Beispielsweise wird erläutert, warum der Hausarzt aufgrund seines Budgets gewünschte ambulante Behandlungen nicht rezeptieren könnte und wie die Angehörigen mit Eigeninitiative dagegen ankämpfen können. Auch unangenehme, häufig verdrängte Themen werden angesprochen. So wird den pflegenden Angehörigen geraten, eigenes Krankwerden nicht auszuschließen und sich vorab nach ortsansässigen Pflegeheimen mit Kurzzeitpflegeplätzen zu erkundigen. Und immer wieder plädieren die Autoren an die Angehörigen, sich neben dem Pflegealltag eigene Freiräume zu schaffen, sich “Auszeiten” zu nehmen, um Überforderungen und Vereinsamung entegegen zu wirken.

Die Broschüre wurde in einer Auflage von 6.000 Exemplaren produziert. Die Herstellungskosten wurden im Rahmen der Projektförderung von den Krankenkassen AOK Rheinland/Hamburg und AOK Ostwestfalen-Lippe übernommen.

Geschrieben von admin am 2. September 2009 | Abgelegt unter Allgemein | Kommentare deaktiviert